Wir machen den „ihn“ zum Mitspieler – statt ihn als Zufall zu behandeln. Ein Rückblick auf unseren Zeichenkurs mit überraschenden Entdeckungen, spielerischen Übungen und dem schönsten „Übriggebliebenen“ im Bild.
Letzte Woche haben wir gemeinsam etwas gefeiert, das viel Ruhe, Spannung und Tiefe in deine Zeichnung bringt. Wir geben dem „Übriggebliebenen“ im Bild endlich eine Stimme – und machen ihn zum gestaltbaren Bestandteil deiner Zeichnung.
Wir holen ihn aus seinem Schattendasein heraus.
Wir betrachten ihn als eigenständige Form. Wir gestalten ihn aktiv – statt ihn nur hinzunehmen. Wir nutzen ihn als Bühne, Atem und Spannungsträger der Zeichnung.
Warum ist er so wichtig? Weil er mehr ist als „das, was übrig bleibt“: Er besitzt eine eigene Schönheit, Form und Spannung. Sobald wir ihn bewusst wahrnehmen, wird er zum gestaltbaren Bestandteil der Zeichnung!
Lösung des Rätsels: Richtig – es geht um den Zwischenraum.

Sieh, wie sich ein Schritt an den Nächsten reiht.
Wir nehmen dich mit: vom ersten Strich bis zu den spannendsten Entdeckungen! Durch Tasten mit geschlossenen Augen und Zeichnen mit der ungewohnten Hand haben wir sämtliche Hemmungen abgebaut und unsere Wahrnehmung direkt aufs Papier übersetzt.
Schritt für Schritt kam das Auge hinzu: tastend und sehend richteten wir den Fokus auf die Dreidimensionalität der Paprika. Wir nahmen ihre räumliche Form wahr – wie Bildhauer*innen – und führten eine fließende Linie entlang ihrer Berge und Täler.

Horizontal umwickeln: die Umlauf-Linie
Legt unbedingt auch eine Linie „quer“ um die Form. Stellt euch vor, ein Faden wickelt sich darum – wie ein Gürtel, der sich an eine Taille anschmiegt. Wir nennen das gern „horizontal umwickeln“: eine Art Umlaufbahn, ähnlich einer Ellipse. Diese Umlauf-Linie bringt sofort spürbar mehr Tiefe und Volumen in die Zeichnung.

Schummern statt Linien
Mit flächigem Schummern – in der Vorstellung eines tastenden Berührens mit der breiten Kohleseite – konnten wir Volumen deutlich schneller aufbauen, oft sogar einfacher als nur über Linien.
Die dritte Kontur
Anhand eines Zylinders haben wir die sogenannte „dritte Kontur“ geübt, an der sich Licht und Schatten trennen – und sie dann auf unsere Paprika übertragen.



Wir bauten ein kleines Stillleben so auf, dass man die Räume zwischen den Paprika lesen konnte. Wir bauten ein kleines Stillleben so auf, dass man die Räume zwischen den Paprika lesen konnte. Dafür mussten wir den Blick umschalten – ähnlich wie bei Vexierbildern, in denen mal eine Vase, mal eine Hexe erscheint.
Als Abschluss haben wir die Zwischenräume körperlich nachgestellt – ein spielerischer Ausklang, der überraschend viel Freude bescherte.
Unsere zeichnerische Forschungsgemeinschaft
Heute ist mir mal wieder bewusst geworden, wie kostbar unsere „zeichnerische Forschungsgemeinschaft“ ist. Jede Woche öffnen sich neue Fragen, neue Zugänge und neue Bildideen. Dadurch bleiben wir nicht bei „einer Methode“ stehen, sondern erweitern Schritt für Schritt unsere Fähigkeiten – im Sehen, im Zeichnen und im Denken.
Ihr bringt euch so aufmerksam und offen ein, dass jedes Treffen neue Impulse setzt. Für diese gemeinsame Energie und den inspirierenden Austausch bin ich von Herzen dankbar.

Zeichnung von Freya von Löhneysen

Zeichnung von Birgit John

Zeichnung von Ulrike Klute

Zeichnungen von Kirstin Porsche